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Der Burner für Großstadt-Menschen

„Hüh Hott... oder was sagt man bei Eseln?“

Meine Freundinnen und ich sind ein bisschen aufgekratzt. Wir wollen heute mal etwas ganz Ungewöhnliches machen: Wandern gehen mit Eseln. Und das in den Hüttener Bergen westlich von Eckernförde, einem großen hügeligen Waldgebiet, das zwar sehr bekannt ist, in dem wir aber noch nie waren.

Landschaftsführerin Sabine Rathmann und ihre Esel-Schar erwarten uns schon. Oh Gott, sind die süß und flauschig. Und so gepflegt. Meiner Freundin Andrea ist trotzdem ein bisschen mulmig zumute: „Beißen sie auch echt nicht?“ Aber schon während der Putzaktion verlieren wir vier Frauen all unsere Bedenken und kuscheln uns regelrecht in das warme Fell von Carlotta, Eskima und Gusolana.

Sabine Rathmann erklärt uns, wie wir mit den Eseln umzugehen haben: „Der Esel testet dich und will ständig fressen.“ Wir sollen nicht zögerlich sein und gleich am Anfang deutlich machen, wer hier wen führen wird.

Los geht’s

Meine Freundin Frauke macht ein unsicheres Gesicht. Sie führt Gusolana, einen tiefbraunen hübschen Esel, der dazu noch zwei breite Flechtkörbe auf dem Rücken trägt. Das Tier zieht und verhält sich ein bisschen störrisch. „Oha. Hüh Hott... oder was sagt man bei Eseln?“, murmelt Frauke.

Ich muss lachen. Na, wir vier Grazien stellen uns ja super an! Aber schließlich haben wir alle drei Eseldamen in Wallung gebracht und folgen dem Wanderweg hinein in den Brekendorfer Forst.

Für unseren Ausflug haben wir uns perfektes Herbstwetter ausgesucht. Es ist noch frisch am Morgen, der Nebel lichtet sich langsam und die Sonne fängt an, uns zu wärmen. Das Laub raschelt unter Eselhufen und Turnschuhen, und wir wandern ganz gesittet in einer Reihe.

Schon nach einigen Minuten setzt Entspannung ein. „Ich sag’ Euch: Die Eselwanderungen sind der Burner für Großstadtmenschen oder verkopfte Führungskräfte“, erzählt Sabine Rathmann gut gelaunt.

„Die Leute stoppen ihr Gedankenkarussel und besinnen sich nur auf die Natur und das zauberhafte Wesen der Esel.“

Die Pausen gibt der Esel vor

Apropos zauberhaftes Wesen: Genau das zeigt das Eselmädchen Eskima just an dieser Wegeskreuzung. Sie bleibt kurzerhand stehen und will partout keinen Schritt weitergehen. Meine Freundin Birgit, die eigentlich eine Menge Erfahrung mit Pferden hat, ist ratlos.

Der berühmt-berüchtigte störrische Esel? „Nein, sie ist nicht störrisch. Sie ist unsicher“, weiß Sabine. „Ich denke, die Sonnenstrahlen und das Schattenspiel stören sie gerade.“

Die riesigen, flauschigen Ohren sind aufgestellt, Eskimas Blick scheint wie hypnotisiert. Was soll’s. Wir warten einfach einige Minuten. Zeit spielt hier sowieso gerade keine Rolle. Schließlich schiebt Sabine von hinten, Birgit zieht sanft von vorne – und hurra... es geht weiter.

Picknick am romantischen Rammsee

Der Brekendorfer Forst ist wunderschön – da sind wir uns schnell alle einig. Wir lassen unsere Blicke schweifen: viele verschiedene Baumarten, hügelige Wege, große Pilze am Wegesrand, kurz: Idylle pur. „Manchmal sieht man hier auch Hirsche“, erzählt Sabine. Plötzlich taucht der Rammsee vor uns auf. Wie aus dem Nichts erscheint dieser romantische, kleine Waldsee.

Seerosen und Schilfrohre umgeben den ehemaligen Toteis-See, ein Relikt aus der Eiszeit. Ganz in der Nähe breiten wir unsere Picknickdecke aus und machen uns hungrig über Brötchen, Käse, Weintrauben und Schokolade her. Die Esel zermalmen lautstark das lange, noch taufrische Gras. „Müssen wir sie nicht festhalten? Laufen sie nicht weg?“, fragt Frauke. „Wenn Du in einer Schokoladenfabrik bist, würdest Du doch auch nicht weglaufen, oder?“, grinst die Landschaftsführerin.

Ein viel zu kurzes Vergnügen

Nach einiger Zeit machen wir uns auf den Rückweg. Leider haben wir noch Termine. Wie blöd. So ein Vormittag geht viel zu schnell vorbei. Das nächste Mal buchen wir eine Tagestour, um so richtig dem Alltag zu entschwinden. Im Naturpark Hüttener Berge gibt es noch etliche andere Wandertouren. Der Heidberg soll auch toll sein. Da wächst wilder Wacholder, und einen mächtigen Findling gibt’s hier auch. Heute hatten wir ja nur sanfte Erhöhungen zu meistern, aber in den Hüttener Bergen geht’s auch durchaus steiler zu. Es gibt Höhenunterschiede von rund 100 Metern – das kann mit einem Esel richtig anspruchsvoll sein.

Carlotta, Eskima und Gusolana begrüßen freudig ihre anderen Eselsfreunde, die heute zuhause auf der Weide geblieben sind. Dann machen sie sich über Heu und Stroh her. Meine Güte, sind die Langohren verfressen! Wir vier Freundinnen setzen uns ins Auto, um zurück nach Kiel zu fahren.

In unseren Köpfen bleibt die Erinnerung an einen wunderschönen, entspannten Herbsttag mit Tieren, die so lieb und kuschelig sind, dass man sie am liebsten klauen möchte.

Quelle: Andrea Schmidt

Weitere Infos: Eselwanderungen mit Sabrina Rathmann, Tel.: 04353 - 9987866

Andrea Schmidt

Auf Tour durch die Eckernförder Bucht

Die freie Journalistin Andrea Schmidt ist für uns auf Tour durch die Eckernförder Bucht. Sie erlebt Land, Leute, Attraktionen so wie Du und ich. Mal ist sie mit ihren Kindern, ihren Freundinnen oder auch alleine unterwegs. Andrea war mit Eseln wandern, in der Clara-Hof Destillerie, beim Piratenspektakel, mit dem E-Bike im Dänischen World unterwegs und auf Winter-Shopping-Tour durch das Ostseebad Eckernförde. Mal sehen was sie in nächster Zeit noch alles in unserer schönen Region erleben wird.