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Schotterwege, Rapsfelder und Wind von vorn

Mit dem E-Bike durch das Eckernförder Umland

Strahlend blauer Himmel an diesem Maitag – ideal für eine Radtour durch das Eckernförder Umland. Allerdings: Der Wind bläst mal wieder ganz schön kräftig – eine steife Ostseebrise. Ich habe mir einige Kilometer vorgenommen, also suche ich mir am Fahrradstand direkt am Meer ein E-Bike aus. Mit einer Fahrradkarte bewaffnet starte ich meine gut 20 Kilometer lange Tour. Ich will das Windebyer Noor, mehrere alte Gutshöfe und ganz viel „Natur pur“ entdecken.

Herrlich, wie das E-Bike abgeht. Mich erwarten viele nette Leute, die mir den Weg zeigen, kurze Klönschnacks und herrliche Ausblicke. Blauer Himmel, grüne Wiesen und knallgelbe Rapsfelder – und das alles ganz gemütlich auf dem E-Bike.

Meine Tour beginnt.

Durch den belebten Ort geht es raus Richtung Windebyer Noor, ein Binnensee, der vor Urzeiten mal direkt mit der Ostsee verbunden war. Ich finde den Weg nicht so recht und frage eine blonde, gut gelaunte Postbotin, die mit dem Rad Briefe austrägt. „Immer geradeaus, ungefähr sechs Kilometer. Übrigens, so ein E-Bike könnte ich auch gut gebrauchen“, sagt sie lachend. Ich fahre durch eine imposante Eichenallee. Einen älteren Mann mit Hund frage ich: „Lohnt sich der Blick zum Gut Windeby?“ „Tja, sieht ’n bisschen anders aus als früher. Damals gab es noch viele Ställe und Kühe. Heute sind da überall Wohnungen und eine Tierarztpraxis. Aber schick“, meint er.

Wirklich schick, stelle ich fest. Ländliches Leben mit viel Stil, Altes wurde erhalten und trotzdem modern gestaltet. Das Gut Windeby entstand schon im 15. Jahrhundert. Heute steht es unter Denkmalschutz. Selbst im alten Kuhstall sind heutzutage Wohnungen. Außenwände, Klinkersteine und die Holzkonstruktion des Daches – alles blieb weitestgehend erhalten. Toll.

Ländliche Idylle, Geschichte auf der Straße

Ich mache einen Abstecher zum Windebyer Ortsteil Friedland. Ein perfekter Name für diese kleine Wohnsiedlung. Kleine zurechtgemachte Häuschen, viele blühende Bäume und ein freier Blick auf leuchtend gelbe Rapsfelder – eine schöne ländliche Idylle. Da ich mal wieder nicht weiß, in welche Richtung ich weiterfahren muss, halte ich eine Autofahrerin an. Die Rentnerin parkt mitten auf der Straße und kommt mit mir ins Plaudern.

Nach einer Viertelstunde weiß ich, dass sie Maren Freese heißt, dass ihr Schwiegervater hier mal Bürgermeister war und dass sie den Zusammenhalt der Friedländer einfach großartig findet. „Hier hilft jeder jedem, aber keiner guckt dem anderen auf den Teller“, freut sich die Einheimische. Und sie erzählt, dass die kleinen Siedlungshäuser früher Baracken waren. Und dass Friedland noch immer eine eigene Wasserversorgung hat. Geschichte im Schnelldurchlauf – und das mitten auf der Straße.

Für einen kurzen Schnack ist immer Zeit

Ich düse weiter mit meinem E-Bike, das so wunderbar dem strammen Ostwind trotzt. Ein schönes Gefühl, wenn man andere überholt, die sich auf ihren herkömmlichen Rädern abstrampeln. Ein enger, holpriger Plattenweg führt zum Gut Westerthal. Wieder so eine Idylle: Ein junger Mann mäht auf einem Aufsitzrasenmäher die wilden Wiesen, 30 Meter hohe Kastanien spenden Schatten, Pferde liegen faul auf dem Reitplatz neben den alten Ställen und genießen die Sonnenstrahlen. Ganz in der Nähe liegt auch die kleine Kapelle Westerthal. Sie entstand als eine der ersten Kirchenneubauten nach dem Zweiten Weltkrieg. Mein nächstes Ziel ist Goosefeld.

Ich muss nicht erwähnen, dass ich wieder zwei, drei Leute nach dem Weg fragen musste. Mein google.maps lässt mich hier auf dem Land schamhaft im Stich – Frechheit ;-) Aber eins muss ich sagen: Nicht ein Eckernförder war wortkarg oder unfreundlich, nichts zu spüren von der norddeutschen Reserviertheit. Alle halten einen kurzen Schnack und erzählen, wie gern sie hier leben. Der Weg nach Goosefeld ist eine Herausforderung. Teilweise sind die Schlaglöcher im Sandweg riesig. Dafür beeindruckt die komplette Stille. Nur Vogelgesang und das Knirschen meiner Reifen. Ich bin mal kurz aus meinem alten Leben ausgestiegen. Herrlich.

Fischbrötchen mit Matjes und Zwiebeln – wenn schon, denn schon.

In Goosefeld schaue ich mir noch ein altes Megalithgrab an. Von diesen Gräbern gibt es hier einige. Unfassbar, dass es solche Spuren gibt, die auf das Leben um 2.500 vor Christus hinweisen. Aber noch wichtiger als Gräber schauen ist mir jetzt mein leerer Magen. Wie lecker: ein Wagen mit frischen Fischbrötchen direkt an der Straße. Natürlich nehme ich Matjes mit Zwiebeln. Das riecht ordentlich. Wenn schon, denn schon.

Auf dem Rückweg nach Eckernförde stoppe ich noch bei dem wunderschönen Gut Hoffnungsthal. Auch dieser 1801 entstandene Meierhof ist noch prächtig erhalten und definitiv eine Augenweide. Allerdings kommt ein großer schwarzer Hund bellend und ohne Leine auf mich zu. Zum Glück fährt in diesem Moment gerade der Gutsbesitzer mit heruntergekurbeltem Fenster auf das Gelände und ruft fröhlich „Moin“. Puh, der Hund ist abgelenkt.

Füße in die noch kalte Ostsee

Ich kurve zurück nach Eckernförde, beobachte die Bauern, die gerade mit ihren Treckern auf den Feldern arbeiten. Dann sehe ich die langgezogene Eckernförder Bucht, und es zieht mich wie magisch an den Strand. Schnell kaufe ich ein Eis und ein kaltes Getränk, stelle das Rad ab, ziehe Schuhe und Strümpfe aus und bohre die Füße in den feinen Sand. Hier ist wieder Leben, hier sonnen sich die Touristen und baden ihre Füße in der noch kalten Ostsee. Kinder toben, die Restaurants füllen sich zur Mittagszeit.

Meine kleine Auszeit auf dem Rad ist vorbei – aber es waren vier schöne Stunden, an die ich mich noch lange erinnern werde.

Quelle: Andrea Schmidt

Andrea Schmidt

Auf Tour durch die Eckernförder Bucht

Die freie Journalistin Andrea Schmidt ist für uns auf Tour durch die Eckernförder Bucht. Sie erlebt Land, Leute, Attraktionen so wie Du und ich. Mal ist sie mit ihren Kindern, ihren Freundinnen oder auch alleine unterwegs. Andrea war mit Eseln wandern, beim Piratenspektakel, mit dem E-Bike im Dänischen World unterwegs und auf Winter-Shopping-Tour durch das Ostseebad Eckernförde. Mal sehen was sie in nächster Zeit noch alles in unserer schönen Region erleben wird.