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Museum Eckernförde

Für Jeden ein Besuch wert

Ich bin ja öfter mal unterwegs in Eckernförde, schreibe über Restaurants, über die hübsche Altstadt, über Erlebnisse am Strand oder auf Rad- und Wanderwegen. Aber in einem Museum war ich hier bisher noch nicht. Zugegeben, ich bin auch nicht unbedingt die Kulturinteressierte schlechthin, aber da auch in Eckernförde nicht immer die Sonne scheinen kann, nehme ich mir heute mal zwei Stunden Zeit, das Museum Eckernförde zu erkunden. Ich bin gespannt...

Toller Bau & kluge Köpfe

Das Museum liegt mitten in der Stadt in schönster Umgebung und ist im historischen Rathaus untergebracht. Was für ein eindrucksvoller roter Klinkerbau! Die ersten Mauern standen hier schon vor genau 600 Jahren – das Haus gilt als eines der bedeutendsten Profanbauten Schleswig-Holsteins. Museumsleiterin Dorothee Bieske erwartet mich bereits gut gelaunt. Ich kenne sie schon: eine tolle, fröhliche Frau mit vielen Ideen im Kopf. Sie will mich persönlich herumführen. Klasse.

Los geht es im größten Raum des Hauses, dem Bürgersaal. „Hier kamen früher die Bürger der Stadt zusammen. Hochzeiten, Gerichtsverhandlungen und die Treffen der Eckernförder Gilden wurden abgehalten.“

In dem Raum thronen die sogenannten Eckernförder Köpfe: Menschen, die die Stadt geprägt haben. „Die Familie Otte zum Beispiel hat regen Handel betrieben und viel Reichtum nach Eckernförde gebracht“, erzählt Frau Bieske. Wertvolle Fayencen sind hier ausgestellt, Teller beispielsweise aus dem 18. Jahrhundert.

Und ganze Stuben bestaune ich: Zimmer mit Möbeln aus der Biedermeier-Zeit, mit einem alten Kachelofen und Uhren von der Uhrmacherfamilie Rhoode aus Eckernförde.

Eisenbahnanlage: Ein Spaß auch für Kinder

Ich stecke schon mitten drin in der Zeitreise, habe das wirkliche Leben draußen gelassen. Spätestens im nächsten Raum werden auch alle jungen Besucher des Museums abschalten – oder besser gesagt: die Bahn anschalten. Hier steht nämlich eine große historische Eisenbahnanlage – ein Traum für Kinder und Eisenbahnfans. Sie bildet das alte Eckernförder Stadtbild von 1951 ab. Der imposante Bahnhof, fleißige Arbeiter, Pferd und Wagen, ein Lkw, der sich festgefahren hat – unheimlich detailgetreu, das Ganze. Kinder können hier viel ausprobieren und auf Knöpfe drücken. Es gackert das Huhn, jemand hackt Holz oder der Bauer arbeitet mit der Sense. „Zu unseren Ferienspaßaktionen zählt auch, dass Kinder sich zum Fahrdienstleiter der Bahn ausbilden lassen.“ Echt cool.

Einkaufen wie früher & Fischerei

Nun kommen wir zu einem großen Kaufmannsladen, der mich schon beim Eintreten wie magisch angezogen hat. Es ist ein Original-Aufbau  aus der Region vom Unternehmer Georg Hansen. Dorothee Bieske verschwindet hinter der historischen Theke und bedient mich aus Spaß. Wertvolle Zigarren, Eier, ein Pfefferminzbonbon für den frischen Atem. Und Kaffee! „1951 kostete ein Pfund Kaffee noch 16,40 Mark. Ich habe mich immer gewundert, warum Gäste meiner Oma Kaffee und Strumpfhosen mitgebracht haben. Das hatte damals einfach einen Wert“, erinnert sich die Museumsleiterin. Alte, bunte Schilder von Maggi oder Knorr sehen richtig schön nostalgisch aus. „Graphikdesigner flippen hier manchmal aus.“ Ich muss lachen über die Art, wie sie erzählt. Wie eindrucksvoll auch die alte Waage mit den Gewichten aussieht! Ein bisschen ist hier alles so wie in den modernen Unverpackt-Läden, von denen es auch einen in der Innenstadt Eckernfördes gibt.

Weiter geht’s in den nächsten Raum. Das Eckernförder Museum ist schön verwinkelt mit acht verschiedenen Bereichen und noch mehr Zimmern, vielen Stufen und mehreren Etagen. Die meisten Bereiche sind übrigens barrierefrei. Jetzt ist es Zeit für die Fischerei, dem immens wichtigen Handelszweig des alten Eckernfördes. Hier stehen eine Räucherkammer, Holzkisten für die Eckernförder Sprotten (oder waren es doch Kieler Sprotten? Frau Bieske lüftet gern das Geheimnis...), riesige lange Watstiefel, schwarz-weiß-Bilder ganzer Fischereibetriebe mit Nageljungen und Aufsteckfrauen oder auch eine schwere historische Taucherausrüstung. „Sie gehörte dem Eckernförder Günter Quander. Er hat Steine und Munition nach dem Krieg hochgetaucht. Ich sage Ihnen, der konnte Geschichten erzählen, die trieben einem die Tränen in die Augen.“ Kaum zu glauben, wie früher im jetzt so traumhaft schönen Ostseebad geschuftet wurde. Wie die Fischerei den Ort aber auch bedeutend gemacht hat.

Krieg, Christian VIII & Armut

Im nächsten Zimmer ist die Schlacht von Eckernförde ausgestellt, jenem Krieg zwischen Deutschland und Dänemark, der am 5. April 1948 für große Schlagzeilen sorgte. Ich will erst gar nicht hineingehen – Kriege interessieren mich einfach nicht so. Aber wie immer schafft es Frau Bieske, mich ganz schnell mit ihren lebhaften Erklärungen einzuwickeln. Sie erzählt davon, wie die Dänen mit dem Schiff Christian VIII. damals in der Eckernförder Bucht angreifen wollten. „Der Wind stand aber so ungünstig, dass das Schiff an den Rand der Bucht gedrückt wurde. Die Christian VIII. wurde damals zerstört und die Schleswig-Holsteiner verteidigten die Stadt erfolgreich, obwohl die Dänen in der Überzahl waren.“ Ich betrachte das große Modell der Schlacht und die vielen original Lithografien, die Journalisten damals vom Ereignis angefertigt haben. Meine Kollegen von damals – die haben tatsächlich ein wenig anders gearbeitet als ich heute. Spannend!

Ganz oben im Haus zeigt sich das Eckernförde nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit komplett eingerichteten Zimmern der Flüchtlingsfamilien, mit der ganzen erschütternden Armut. Überhaupt ist es toll, wie viel man hier im Museum sehen kann, wie dicht man an die Ausstellungsstücke herankommt. Es gibt auch zwei technische Medienstationen – und es sollen demnächst auch noch zwei dazukommen. Wir gehen noch durch die Abteilung mit den Gemälden von Eckernförder Künstlern und sehen uns die Sonderausstellung an. In diesem Jahr zeigt der Künstler Hansjörg Schneider die„Transformationen einer Postkarte“. Ist ja irre, wie er die Fenster und Türen aus den kleinen Karten filigran ausschneidet!

Immer mal was Neues im Museum

Die vielen Sonderausstellungen – so erfahre ich von der Museumsleiterin – haben auch dafür gesorgt, dass die Besucherzahlen zuletzt deutlich angestiegen sind.  Ich als kleiner Kulturbanause habe meine Meinung zumindest grundlegend geändert. So ein tolles Museum kann einen komplett in den Bann nehmen. Ein, zwei Stunden, und man bekommt einen umfassenden Einblick über die liebenswerte Stadt Eckernförde. Eine persönliche Führung alleine oder mit der Familie bei Dorothee Bieske oder ihrer Kollegin Hanna Peters kann für 25 Euro gebucht werden. Aber auch ohne Führung ist das Museum ein Erlebnis – für gerade mal drei Euro Eintritt für Erwachsene und einem Euro für Kinder. Im Sommer und bis zum 1. November haben Kinder durch die Aktion MuseumsCard sogar freien Eintritt!

Andrea Schmidt

Auf Tour durch die Eckernförder Bucht

Die freie Journalistin Andrea Schmidt ist für uns auf Tour durch die Eckernförder Bucht. Sie erlebt Land, Leute, Attraktionen so wie Du und ich. Mal ist sie mit ihren Kindern, ihren Freundinnen oder auch alleine unterwegs. Andrea war mit Eseln wandern, beim Piratenspektakel, mit dem E-Bike im Dänischen World unterwegs und auf Winter-Shopping-Tour durch das Ostseebad Eckernförde. Mal sehen was sie in nächster Zeit noch alles in unserer schönen Region erleben wird.