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Mittendrin im Piratenspektakel

Seeräuber, Badenixen und Shoppingqueens

Ein kleiner Junge mit dunklen Bartstoppeln und Piratentuch auf dem Kopf fuchtelt mit seinem Holzschwert vor meinem Gesicht herum. Sein Gesichtsausdruck ist ernst und angespannt. Ich muss mich zusammenreißen, um nicht zu lachen, und gucke stattdessen ganz erschrocken. Zufrieden sucht er sich das nächste Opfer. Und davon gibt es reichlich. Tausende Einheimische und Touristen tummeln sich an diesem Wochenende am Eckernförder Strand und am Hafen. Schließlich läuft das Piratenspektakel – und das lockt seit Jahren die Massen an.

Käpt’n Schwarzbart zieht unterdessen eine Riesenshow am Strand ab. Furchterregend sieht er aus mit seinen ungepflegten Dreadlocks und seiner dunklen Lederkutte. Und dazu diese kratzige, tiefe Stimme: „Wie lachen die Piraten?“ schreit er über den Strand. Und aus tausenden Kehlen schallt es zurück: „Hahaha!“ „Mannschaft, seid ihr bereit?“ „Ja!“, rufen die Kinder. „Das heißt nicht Ja, das heißt AyeAye Käpt’n!“, brüllt Schwarzbart und reckt die schmutzige Faust in die Höhe. „AyeAye Käpt’n“, kommt prompt die geforderte Antwort. Zum Knuddeln, diese kleinen Seeräuber.

Piratenschiffe auf Kurs Eckernförde

Es folgen donnernde Kanonenschläge, bei denen selbst die Erwachsenen zusammenzucken. Imposante Piratenschiffe nähern sich der Küste, wilde Piraten mit Schwertern steigen aus und kämpfen gegen die Stadtwache.

Das Ziel der Gottlosen: natürlich das Gold der Stadtkasse. Obwohl ich in der Nähe von Kiel lebe, habe ich dieses Piratenspektakel noch nie gesehen und ärgere mich, dass ich meine eigenen Kinder heute nicht mitgenommen habe. Es ist absolut mitreißend, ganz Eckernförde ist im Piratenfieber.

Sprung in die Ostsee

Ich folge der Seeräubertruppe noch bis zum Rathaus, wo die Show weitergeht. Heute ist es wahnsinnig heiß. Alle Schattenplätze in den vielen kleinen Cafés sind besetzt, und auch ich sichere mir ein kühles Plätzchen beim historischen Ratskeller und gönne mir ein leckeres Getränk. Ein beeindruckendes Fleckchen irgendwie: Schon seit dem 14. Jahrhundert wird hier Gastronomie betrieben.

Ich schwitze - es nützt nichts, ich muss in die Ostsee springen. Wie gut, dass in der kleinen Stadt mit seinen 23.000 Einwohnern alles fußläufig so einfach zu erreichen ist. Es ist voll am Strand, alle – wirklich alle - Strandkörbe sind besetzt. Aber da der feine Sandstrand mit seinen vier Kilometern so schön lang ist, verläuft es sich doch recht gut und man hockt sich nicht auf der Pelle. Das Wasser hat unglaubliche 24 Grad an diesem Augusttag. Wahnsinn! Ich plansche eine Weile im klaren Meer. Wie angenehm: keine Algen, keine Quallen – so kann ich das aushalten.

Nette Strand-Bekanntschaften

Als ich aus dem Wasser komme, ruft mir ein älterer Herr zu: „Schön! Wie eine Nixe steigen Sie aus dem Wasser!“ Ich muss lachen über dieses übertriebene Kompliment. Seine Frau lacht zum Glück auch. Wir kommen sofort ins Gespräch – irgendwie ist das immer so mit den Eckernfördern. Sie sind erstaunlich offen – von wegen norddeutsche grummelige Art... Ich erfahre, dass die zwei vor 20 Jahren hier her gezogen sind und nie wieder weg wollen. Und sie loben das Piratenspektakel. „Viele Familien kommen immer extra in dieser Zeit, um mit ihren Kindern das Spektakel zu erleben.“

Ich verabschiede mich von dem sympathischen Pärchen, weil ich unbedingt noch Riesenrad fahren will. 50 Meter ist es hoch – oh je, und das bei meiner Höhenangst. Ich sitze mit einem Geschwisterpaar aus Berlin in einer Gondel. Wir drei kreischen, als es hoch hinaus geht und freuen uns über den Wahnsinnsausblick. „Mama, Papa“, schreit Pia von oben. „Wow, ist das schön“, staunt die ältere Schwester. Auf der einen Seite viel Grün und Wald, auf der anderen das Wasser und die vielen weißen Yachten und schließlich der nicht enden wollende Sandstrand. Echt eine Perle hier in unserem Schleswig-Holstein.

Schifffahrt oder nicht?

Unten angekommen spaziere ich zum Verkaufswagen von „Mehrgold“. Immer, wenn ich in Eckernförde bin, hole ich mir hier ein Matjesbrötchen. Hier am Hafen liegen etliche tolle Kutter, der Traditionssegler Tu Solo Tu, die Hanse-Kogge Ubena von Bremen und die Kieler Kogge. Ich überlege, ob ich noch eine Sundowner-Fahrt mitmache. Hm, aber ich habe heute nicht mehr ganz so viel Zeit. Nächstes Mal bestimmt. Ich mache mich auf den Weg zu meinem Auto und muss dafür – so ein Schiet aber auch – nochmal durch die Innenstadt. Tja, und wenn „Frau“ schon mal alleine in der Stadt ist, bricht wohl oder übel das Shoppingfieber aus. Jetzt im August sind die Preise überall reduziert. Die kleinen Boutiquen bieten Klamotten an, die ich tatsächlich in Kiel nicht finde. Ruckzuck habe ich mir ein Kleid, neue Flipflops und auch noch einen Sommerduft  gekauft. Ich steige in mein Auto und bin rundherum zufrieden: Baden, shoppen, Piratenspektakel, Fischbrötchen – ein perfekter Urlaubstag in Eckernförde.

Quelle: Andrea Schmidt

Andrea Schmidt

Auf Tour durch die Eckernförder Bucht

Die freie Journalistin Andrea Schmidt ist für uns auf Tour durch die Eckernförder Bucht. Sie erlebt Land, Leute, Attraktionen so wie Du und ich. Mal ist sie mit ihren Kindern, ihren Freundinnen oder auch alleine unterwegs. Andrea war mit Eseln wandern, beim Piratenspektakel, mit dem E-Bike im Dänischen World unterwegs und auf Winter-Shopping-Tour durch das Ostseebad Eckernförde. Mal sehen was sie in nächster Zeit noch alles in unserer schönen Region erleben wird.